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Werthenstein und Hohenems

 

Vom 9. März bis 8. Mai 2005 zeigt die Vorarlbergische Landesbibliothek Bregenz im Jüdischen Museum Hohenems die Ausstellung "Bartholomäus Schnell: Raufbold, freier Künstler und Pionier des Buchdrucks in Vorarlberg". Mit dabei ist auch ein Druck von 1649 aus der Sondersammlung h&ad_ der ZHB Luzern.

 

Bartholomäus Schnell aus Langenargen am Bodensee war der erste Buchdrucker in Vorarlberg. Im Jahre 1616 pachtete er vom Grafen von Hohenems eine Druckereiwerkstatt und schuf noch im selben Jahr mit der "Emser Chronik" ein Werk, welches bis heute als eines der schönsten je in Vorarlberg gedruckten Bücher gilt.

 

Auf der Suche nach den Erzeugnissen von Schnells Werkstatt durchforstete Norbert Schnetzer, Direktor-Stellvertreter und Leiter der Abteilung für Sondersammlungen und Buchpflege der Vorarlbergischen Landesbibliothek Bregenz, zahllose Bibliotheken, auch in der Schweiz. Die Liste der Bücher Schnells, welche er bisher nicht gekannt hatte, wurde immer länger. Manchmal half auch der Zufall weiter. Ein Gespräch unter Kollegen am Rande des "6. Tübinger Symposiums Handschriften und Alte Drucke 2004" und eine nachfolgende Recherche im digitalen Kartenkatalog DIKAT der ZHB Luzern förderte eine für Vorarlberg wie für Luzern gleichermassen interessante Schrift zu Tage.

 

Der "Puteus aquarum viventium Mariano-Werdtenstenius. Das ist, Lebendiger Wasserbrunn unser lieben Frawen zu Werdtenstein", gedruckt 1649 "im Gräfflichen Marckt Embs, bey Bartholome Schnell" (Beschreibung im IDS_Katalog), protokolliert die zwischen 1615 und 1648 im Wallfahrtsort Werthenstein durch die Fürbitte der Jungfrau Maria geschehenen Wunder. Für 1636 zum Beispiel dieses:

 

"Auff dises Jahr den eylfften Herbstmonat fallt dem Wildenmann Wihrt zu Lucern, Andrae Segeren ein Kind fünff Jahr alt mit nahmen Maria zu dem Fenster hinauss auff die Gassen so mit Steinen besetzt. Im Fall aber verheisset es der Vatter gen Werdtenstein zu unser lieben Frawen, und verbleibt das Kind unverletzt ohne masen."

 

 

Puteus aquarum viventium Mariano-Werdtenstenius

Hohenems: Schnell, 1649

 

(Signatur BB H.5102.8°)

 

 

Wunderzeichenbuch von Werthenstein

(Signatur KB Pp.67.fol.)

Bl. 34v-35r

 

 

Der Autor bezog seine Informationen aus dem handschriftlichen Wunderbuch von Werthenstein, das um 1615 angelegt und bis 1765 geführt wurde. Es befindet sich heute ebenfalls in der Sondersammlung h&ad_ der ZHB Luzern (Sign. KB Pp.67.fol.). Von dem Büchlein versprachen sich Guardian und Konvent wohl eine Werbewirkung für ihren Wallfahrtsort im Entlebuch. Tatsächlich drang der Ruf der Muttergottes von Werthenstein als Wundertäterin bis weit ins süddeutsche Gebiet. Warum die Franziskaner das Buch in Hohenems drucken liessen, ist unklar. Auch in Luzern bestand zu jener Zeit eine leistungsfähige Druckerei.

 

Das Werthensteiner Wunderbuch und der "Puteus aquarum viventium Mariano-Werdtenstenius" sind nicht nur ein bedeutender Teil des Luzerner Schriftkulturerbes. Die darin aufgezeichneten Wunderberichte bilden auch eine höchst ergiebige Quelle für die Erforschung religiöser Mentalitäten und der Vorstellungen unserer Vorfahren über Körper und Geist, Gesundheit und Krankheit.

 

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