Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern

 

 

 Sempacherstr. 10, 6002 Luzern

 adresse

 

 www.sondersammlungen.zhbluzern.ch

 homepage

 

 041 228 53 18

 telefon

 

 

 

h&ad_info

 

sondersammlung handschriften & alte drucke

 

Luzern - Die Drachenstadt

 

Am Sonntag, 22. Mai 2005 um 22 Uhr 35 strahlt der deutsch-französische TV-Sender ARTE den Film "Le musée des dragons" von Gaël Buisson und Vincent Amouroux aus. Ein Teil der Dokumentation wurde in der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern gedreht. Zu sehen sind Drachendarstellungen aus Handschriften und alten Druckwerken von Conrad Gesner, Johann Leopold Cysat, Johann Jakob Scheuchzer und Athanasius Kircher.

 

"Luzern ist für mich die Drachenstadt par excellence", sagt Michel Meurger, der über die Geschichte der Drachen ein Buch geschrieben hat: Histoire naturelle des dragons: un animal problématique sous l'oeil de la science (2001). Tatsächlich spielt Luzern darin eine wichtige Rolle. Am 26. Mai 1499 wollten Augenzeugen beobachtet haben, wie "ein vast grosser ungehürer drack und wurm" mit grosser Geschwindigkeit vom See her unter der Reussbrücke hindurch schwamm. Das berichtet Diebold Schilling in seiner Luzerner Bilderchronik (1513).

 

Weit bekannter war in der Welt der Gelehrten der Drache am Pilatusberg. Conrad Gesner (1516-1565) unternahm eine Besteigung des Bergs, ohne allerdings Spuren von Drachen zu finden. Sein Schlangenbuch, posthum veröffentlicht 1587, berichtet aber in Text und Bild von den Drachen in den Schweizer Alpen. Der Luzerner Stadtschreiber Renward Cysat (1545-1614) hielt in seinen chronikalischen Aufzeichnungen fest: " Es hatt vor zytten in den wildinen und bergen umb die statt Luzern treffenlich grosse würm und tracken ghept sonderlich in dem berg Frackmönt, sonst Pilatiberg genannt...".

 

Als Beweis für die Existenz der Drachen führt Cysat den Drachenstein an, den ein Exemplar der Spezies an einem heissen Sommertag des Jahres 1421 bei seinem Flug von der Rigi zum Pilatus fallen liess. Cysats Enkel Johann Leopold (1601-1663) veröffentlichte in seinem Buch Beschreibung dess Berühmbten Lucerner= oder 4.Waldstätten Sees (Luzern 1661) (Beschreibung im IDS_Katalog) davon eine Darstellung. Der Drachenstein oder Drakonit (unten rechts auf der Abbildung) wird heute im Naturmuseum Luzern aufbewahrt.

 

 

Passio S. Agnetis, Initiale A

Vitae et passiones Sanctorum

13. Jh., 2. Hälfte

(Signatur KB P.14.fol., Bd.2, Bl. 56r)

 

 

 

Johann Leopold Cysat, Beschreibung dess Berühmbten Lucerner= oder 4.Waldstätten Sees

(Signatur KB F1.170.8°.)

nach S. 166

 

 

Mit dem Drachen am Pilatusberg beschäftigten sich auch einflussreiche Gelehrte wie der Jesuit Athanasius Kircher (1602-1680) in seinem Buch über die Unterwelt, Mundus subterraneus (Amsterdam 1664-1665), oder der Zürcher Naturforscher Johann Jakob Scheuchzer (1672-1733) in den Itinera per Helvetiae Alpinas Regiones (Leyden 1723), den Berichten über seine Reisen in die alpinen Gegenden der Schweiz zwischen 1702 und 1711.

 

Michel Meurgers Drachenbuch bildet eine der Vorlagen für die Fernsehdokumentation "Le musée des dragons" von Gaël Buisson und Vincent Amouroux, welche der deutsch-französische Kultursender ARTE am Sonntag, 22. Mai 2005, um 22 Uhr 35 im Rahmen eines Themenabends über "Drachen" ausstrahlt. Im April 2004 waren Meurger und das Filmteam von Les Films d'Ici Paris in der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern zu Gast, um mit Hilfe der Handschriften und originalen Druckwerke die Geschichte der Drachen vom 15. bis 18. Jahrhundert nachzuzeichnen.

 

h&ad_home

 

 

 

Text und Bilder dieser Mitteilung sind Eigentum der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern. Sie dürfen weiterverwendet werden, sofern sie mit der Herkunftsangabe ZHB Luzern, sondersammlung handschriften & alte drucke gekennzeichnet sind.